Zum Inhalt springen

Manuelle Tests gezielt durchführen

Dieser Abschnitt bietet eine strukturierte Anleitung zur Durchführung manueller Barrierefreiheitstests. Ziel ist es, konkrete Prüfschritte und sinnvolle Abläufe aufzuzeigen, mit denen häufige Barrieren identifiziert werden können – über die Möglichkeiten automatisierter Tools hinaus.

Warum gezielte manuelle Tests notwendig sind

Viele Barrieren sind für automatisierte Prüfwerkzeuge nicht zuverlässig erkennbar. Dazu zählen:

  • Kontextabhängige Inhalte (z. B. Bedeutung eines Bildes oder Links)
  • Bedienbarkeit mit der Tastatur
  • Verständlichkeit der Inhalte
  • Sinnvolle semantische Struktur
  • Fokussteuerung und Interaktionen

Ein systematischer manueller Testprozess ermöglicht eine verlässliche Bewertung dieser Aspekte und trägt zur ganzheitlichen Qualitätssicherung bei.

Typische Testbereiche und Vorgehen

  1. Tastaturbedienung
    • Tab-Reihenfolge prüfen (logisch, vollständig, keine Tab-Fallen)
    • Sichtbarer Fokus für jedes interaktive Element
    • Aktivierbarkeit von Schaltflächen, Menüs, Links usw. mit Enter/Leertaste
    • Navigation in komplexen Elementen wie Dialogen, Akkordeons oder Tabs
  2. Kontrast und visuelle Gestaltung
    • Ausreichender Farbkontrast zwischen Text und Hintergrund (WCAG 1.4.3 / 1.4.11)
    • Lesbarkeit durch ausreichende Schriftgröße, Zeilenhöhe, Schriftart
    • Fokus-Hervorhebungen für interaktive Elemente
  3. Formulare
    • Jedes Feld hat ein sichtbares, korrekt verknüpftes Label
    • Fehlermeldungen sind verständlich und zugänglich (z. B. für Screenreader)
    • Pflichtfelder und Validierungsregeln sind verständlich vermittelt
  4. Semantische Struktur und Orientierung
    • Korrekte Überschriftenhierarchie (H1-H6)
    • Verwendung von Landmark-Rollen (z. B. nav, main, footer)
    • Eindeutige Linktexte und sprechende Button-Beschriftungen
    • Nutzung von Breadcrumbs oder anderen Orientierungshilfen
  5. Verständlichkeit der Inhalte
    • Einfache, klare Sprache und verständlicher Satzbau
    • Konsistente Benennung und Terminologie
    • Logische Struktur von Inhalten und Anleitungen

Werkzeuge zur Unterstützung:

  • Browser-Entwicklertools für Fokusprüfung, Semantik und Kontrast
  • Erweiterungen wie Axe DevTools, WAVE oder Accessibility Insights zur Vorprüfung
  • Kontrastchecker (z. B. Color Contrast Analyzer)
  • Textanalyse-Tools zur Prüfung von Lesbarkeit und Sprache

Empfohlene Praxis:

  • Tests mit mehreren Rollen (z. B. UX, QA, Entwickler) kombinieren
  • Mit Checklisten arbeiten (z. B. WCAG Quickref, projektspezifisch)
  • Ergebnisse dokumentieren, um Verbesserungen systematisch umzusetzen
  • Optional Nutzergruppen mit einbeziehen, um echte Nutzungsszenarien zu testen