Zum Inhalt springen

Übersicht - Toolvergleich

Digitale Barrierefreiheit erfordert den gezielten Einsatz verschiedener Werkzeuge. Dieses Kapitel bietet eine strukturierte Übersicht über gängige Tools zur Barrierefreiheitsprüfung und -dokumentation. Die Übersicht unterstützt bei der Einschätzung von Stärken, Grenzen und Einsatzbereichen einzelner Werkzeuge.

Detaillierte Beschreibungen und Anwendungsbeispiele finden sich in den jeweiligen Unterkapiteln.

Warum ein Toolvergleich wichtig ist

  • Unterschiedliche Abdeckung: Kein Tool deckt alle WCAG-Kriterien vollständig ab.

  • Effizienz vs. Vollständigkeit: Automatisierte Tools sind schnell, erfassen jedoch nur einen Teil der Barrierefreiheitsanforderungen.

  • Ergänzende Prüfmethoden: Manuelle Tests und assistive Technologien sind unverzichtbar für die Bewertung komplexer Nutzungsszenarien.

  • Dokumentationspflichten: Für Audits und gesetzliche Nachweise (z. B. BFSG, EAA) ist eine strukturierte, nachvollziehbare Dokumentation erforderlich.

Toolarten im Vergleich

Für die Prüfung digitaler Barrierefreiheit stehen unterschiedliche Arten von Tools zur Verfügung, die sich hinsichtlich Methodik, Einsatzbereich und Genauigkeit unterscheiden. Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Kategorien und deren jeweilige Stärken und Schwächen.

Automatisierte Test-Tools

Automatisierte Tools durchsuchen Webseiten systematisch nach typischen Barrieren. Sie sind besonders geeignet für erste Analysen, kontinuierliche Qualitätskontrollen und die Integration in Entwicklungs- und CI/CD-Prozesse.

Beispiele: axe DevTools, WAVE, Lighthouse, Pa11y, BAAT (Bookmarklet Accessibility Audit Tool)

BAAT (Bookmarklet Accessibility Audit Tool):

  • Ein leichtgewichtiges, browserbasiertes Tool für die schnelle Identifikation technischer Barrieren.
  • Basiert auf der Open-Source-Engine axe-core.
  • Erkennt häufige Probleme wie fehlende Alternativtexte, Tastaturbarrieren oder fehlerhafte ARIA-Nutzung.
  • Eignet sich für erste technische Analysen, ersetzt jedoch keine vollständige manuelle Prüfung.

Stärken: Schnelle Ergebnisse, hohe Reproduzierbarkeit, gute Integration in Workflows

Einschränkungen: Decken nur etwa 20–30 % der WCAG-Kriterien ab und bewerten keine komplexen Kontexte oder Inhalte.

Manuelle Tests und Checklisten

Manuelle Prüfverfahren ergänzen automatisierte Tests durch menschliche Bewertungen, beispielsweise in Bezug auf Bedienbarkeit per Tastatur, logische Lesereihenfolge, semantische Struktur und inhaltliche Verständlichkeit.

Beispiele: Nutzung von WCAG-Checklisten, Tastaturtests, visuelle Prüfungen, Screenreader-Tests

Stärken: Kontextsensitivität, Erkennung komplexer Barrieren

Einschränkungen: Zeitintensiv, erfordert Expertise, schwer skalierbar

Geführte Prüfverfahren und Hybrid-Tools

Diese Tools kombinieren automatisierte Prüfungen mit manuellen Bewertungen und führen strukturiert durch Prüfprozesse. Oft werden unterstützende Hinweise und Empfehlungen zur Bewertung bereitgestellt.

Beispiele: Accessibility Insights for Web

Stärken: Systematische Herangehensweise, hilfreich für Einsteigerinnen und Einsteiger, unterstützt die Dokumentation

Einschränkungen: Teilweise Beschränkung auf bestimmte Systeme oder Technologien

Screenreader-Tests

Screenreader-Tests ergänzen automatisierte und manuelle Prüfungen und simulieren die Nutzung durch Menschen mit Sehbehinderungen.

Beispiele: NVDA (Windows), JAWS (Windows), VoiceOver (macOS/iOS), TalkBack (Android)

Stärken: Unverzichtbar für die Bewertung der tatsächlichen Nutzungserfahrung

Einschränkungen: Erfordert Erfahrung in der Bedienung von Screenreadern

Reporting- und Management-Tools

Reporting-Plattformen fokussieren auf die Dokumentation, Nachverfolgung und Kommunikation von Testergebnissen innerhalb von Teams oder Projekten.

Beispiele: gooda11y, GitHub Issues, Jira

gooda11y:

  • Plattform für strukturierte, WCAG-basierte Dokumentation von Testergebnissen.
  • Unterstützt die zentrale Erfassung automatisierter und manueller Tests.
  • Ermöglicht Fortschrittsverfolgung, Teamarbeit und Versionsvergleiche.
  • Besonders nützlich für Projekte mit Dokumentationspflicht oder mehreren Testzyklen.

Stärken: Unterstützung bei Teamarbeit, Projektmanagement und Nachweispflichten

Einschränkungen: Pflegeaufwand, nicht immer nahtlose Integration in bestehende Systeme

Fazit

Ein wirkungsvoller Barrierefreiheits-Workflow basiert auf der sinnvollen Kombination verschiedener Testmethoden: Automatisierte Tools sorgen für Effizienz, manuelle Tests für Genauigkeit, hybride Verfahren für strukturierte Abläufe, Screenreader-Tests für Nutzererfahrung und Reporting-Plattformen für Nachvollziehbarkeit. Die Auswahl und Gewichtung der Methoden sollte projektbezogen und unter Berücksichtigung gesetzlicher Anforderungen erfolgen.

Ausblick

Die folgenden Unterkapitel stellen die einzelnen Tools und Kategorien im Detail vor. Sie enthalten Anwendungsbeispiele, Hinweise für den praktischen Einsatz und Tipps für die Integration in bestehende Arbeitsprozesse.