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Glossar

Glossar – Begriffserklärungen zur digitalen Barrierefreiheit

Zur besseren Orientierung sind die Begriffe thematisch gruppiert:

Screenreader und assistive Technologien

Screenreader: Software, die Inhalte eines Bildschirms vorliest oder in Brailleschrift ausgibt. Beispiele: NVDA, JAWS, VoiceOver, TalkBack.

NVDA (NonVisual Desktop Access): Ein kostenloser Open-Source-Screenreader für Windows. Besonders verbreitet im privaten und non-kommerziellen Bereich.

JAWS (Job Access With Speech): Ein weit verbreiteter Screenreader für Windows, der Inhalte auf dem Bildschirm sprachlich ausgibt. Besonders im Unternehmensumfeld häufig genutzt.

VoiceOver: In Apple-Geräten integrierter Screenreader für iOS, iPadOS und macOS. Unterstützt Gestennavigation und Braille.

TalkBack: Der Standard-Screenreader auf Android-Geräten. Ermöglicht die sprachliche Navigation durch Inhalte via Touchgesten.

Rechtliche Grundlagen und Richtlinien

BITV (Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung): Deutsche Verordnung, die öffentliche Stellen zur barrierefreien Gestaltung ihrer digitalen Angebote verpflichtet. Sie basiert auf den WCAG und ist seit 2019 in Kraft.

BFSG (Barrierefreiheitsstärkungsgesetz): Deutsches Gesetz, das den European Accessibility Act (EAA) umsetzt und ab 28. Juni 2025 bestimmte private Unternehmen zur Barrierefreiheit verpflichtet.

EAA (European Accessibility Act): EU-Richtlinie zur Vereinheitlichung von Barrierefreiheitsanforderungen für bestimmte Produkte und Dienstleistungen innerhalb der Europäischen Union.

WCAG (Web Content Accessibility Guidelines): Internationale Richtlinien zur Gestaltung barrierefreier Webinhalte, unterteilt in Prinzipien, Richtlinien und Erfolgskriterien auf den Stufen A, AA und AAA.

Technik & Design

ARIA (Accessible Rich Internet Applications): Spezifikation zur Anreicherung von HTML mit semantischen Informationen über Rollen, Zustände und Eigenschaften, um komplexe Inhalte zugänglich zu machen.

Alternativtext (alt-Attribut): Textliche Beschreibung von Bildern oder nicht-textuellen Inhalten, die Screenreadern vorgelesen wird. Wichtig für die Wahrnehmbarkeit visueller Informationen.

Accessible Name: Der für assistive Technologien zugängliche Name eines Elements (z. B. eines Buttons). Er wird u. a. aus aria-label, alt, title oder dem sichtbaren Text abgeleitet.

Custom-Widget: Individuell entwickelte Benutzeroberflächenelemente, die häufig spezielles ARIA-Markup und manuelle Tastatursteuerung benötigen, um zugänglich zu sein.

Default-Widget: Standardmäßig in HTML vorhandene Formularelemente oder interaktive Komponenten (z. B. <button>, <input>), die von Natur aus zugänglich sind, sofern korrekt verwendet.

Semantisches HTML: HTML-Code, der durch seine Struktur und Elemente bereits Bedeutung vermittelt (z. B. <nav>, <main>, <button>). Wichtig für die Zugänglichkeit.

Fokus-Indikator: Visuelle Hervorhebung des Elements, das aktuell über die Tastatur angesteuert wird. Wichtig für Nutzer*innen, die ohne Maus navigieren.

Form Label: Beschriftung eines Eingabefeldes. Für Screenreader muss das Label korrekt mit dem zugehörigen Feld verknüpft sein (z. B. mittels for-Attribut).

Contrast Ratio (Kontrastverhältnis): Verhältnis zwischen Vorder- und Hintergrundfarbe. Mindestanforderung für normalen Text nach WCAG: 4,5:1.

Tooltip: Kurzer Hinweistext, der z. B. bei Mouseover erscheint. Sollte ergänzend, nicht ausschließlich zur Erklärung eines Elements dienen.

Live-Region: Bereich auf einer Webseite, dessen Inhalt sich dynamisch ändert und automatisch von Screenreadern angekündigt wird (z. B. mit aria-live).

Tab-Reihenfolge: Reihenfolge, in der Elemente über die Tabulatortaste angesteuert werden. Sollte der visuellen und logischen Struktur folgen.

Nutzung und Usability

Barrierefreiheit: Zustand, in dem digitale Inhalte und Dienste ohne Einschränkungen von möglichst vielen Menschen genutzt werden können – unabhängig von Fähigkeiten oder technischen Hilfsmitteln.

Inklusive Gestaltung: Designansatz, der von Anfang an eine größtmögliche Nutzbarkeit für möglichst viele Menschen anstrebt – ohne spezielle Anpassung oder Nachrüstung.

Keyboard Trap (Tastaturfalle): Situation, in der ein Element oder Bereich nicht mehr per Tastatur verlassen werden kann – ein kritischer Fehler für Tastaturnutzer.

Die Inhalte dieses Glossars werden fortlaufend ergänzt. Für Vorschläge neuer Begriffe kann ein gemeinsamer Redaktionsprozess etabliert werden.

Die weiteren Unterseiten sind:

  • FAQ – Fragen aus der Praxis
  • Ressourcen – Tools, Gesetze, Schulung & mehr