Zum Inhalt springen

WCAG & A11y-Grundlagen

Die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) sind das weltweit anerkannte Regelwerk für digitale Barrierefreiheit. Herausgegeben vom World Wide Web Consortium (W3C), beschreiben sie konkrete Anforderungen an Webseiten, Apps und andere digitale Inhalte, um diese für möglichst viele Menschen zugänglich zu machen.

Das POUR-Prinzip

Die WCAG basieren auf vier übergeordneten Prinzipien, die als Grundlage jeder barrierefreien digitalen Anwendung gelten:

  • Perceivable (Wahrnehmbar): Inhalte müssen so gestaltet sein, dass sie von allen Nutzergruppen mit ihren jeweiligen Sinneswahrnehmungen aufgenommen werden können (z. B. Alternativtexte für Bilder, ausreichender Farbkontrast, Untertitel für Videos).
  • Operable (Bedienbar): Alle Funktionen müssen auch ohne Maus nutzbar sein – zum Beispiel per Tastatur oder Sprachsteuerung. Fokusführung, Bedienelemente und Interaktionen müssen intuitiv und zugänglich sein.
  • Understandable (Verständlich): Inhalte und Bedienung sollen klar strukturiert und vorhersehbar sein – mit verständlicher Sprache, einheitlicher Navigation und klaren Rückmeldungen bei Aktionen.
  • Robust (Robust): Inhalte müssen mit einer Vielzahl von Browsern, Geräten und assistiven Technologien funktionieren – durch semantisch korrektes HTML und saubere Implementierung von ARIA-Rollen.

Aufbau und Funktionsweise der WCAG

Die WCAG sind in Richtlinien und Erfolgskriterien organisiert:

  • Jedes der vier Prinzipien enthält mehrere Richtlinien (insgesamt 13), die allgemeine Ziele beschreiben.
  • Diese Richtlinien werden durch konkrete Erfolgskriterien operationalisiert – in der aktuellen Version WCAG 2.2 sind es insgesamt über 80.
  • Jedes Erfolgskriterium ist einer von drei Konformitätsstufen zugeordnet:
    • Level A: Mindestanforderungen für grundlegende Zugänglichkeit (z. B. keine Tastatur-Fallen, Alternativtexte für Bilder).
    • Level AA: Empfohlener Standard in vielen Gesetzen – verbessert die Nutzbarkeit erheblich (z. B. ausreichende Farbkontraste, sichtbarer Tastaturfokus).
    • Level AAA: Sehr hohe Anforderungen – für spezialisierte Anwendungen oder Inhalte mit besonders hohen Zugänglichkeitsansprüchen (z. B. Untertitelung von Live-Events, sehr einfache Sprache).

Wichtig: Die Konformitätsstufen bauen aufeinander auf. Level AA umfasst alle Kriterien aus Level A und fügt zusätzliche Anforderungen hinzu. Level AAA wiederum beinhaltet alle Anforderungen aus Level A und AA – und stellt darüber hinausgehende Vorgaben für eine besonders umfassende Zugänglichkeit.

Die Konformität einer Website wird auf Basis dieser Kriterien beurteilt. In der Praxis ist Level AA der anerkannte Zielstandard.

WCAG 2.2 – Aktueller Stand

Seit Oktober 2023 ist WCAG 2.2 offiziell veröffentlicht. Diese Version ergänzt die WCAG 2.1 um neue Erfolgskriterien – insbesondere zur Unterstützung von:

  • Nutzenden mit kognitiven Einschränkungen (z. B. klar erkennbare Zielgrößen)
  • Nutzerfreundlichkeit auf Touchscreens und mobilen Geräten

Organisationen sollten nach Möglichkeit WCAG 2.2 umsetzen, auch wenn gesetzliche Vorgaben wie die BITV aktuell noch WCAG 2.1 als Mindeststandard vorschreiben.

Bedeutung für den Alltag

Die WCAG dienen als Bewertungsmaßstab für Barrierefreiheit – in der Entwicklung, im Design und im Testing. Sie werden weltweit in Schulungen, Zertifizierungen und bei der Produktbewertung herangezogen. Zudem bilden sie in vielen Gesetzen (z. B. BFSG, EAA, BITV) die inhaltliche Grundlage für gesetzliche Anforderungen an digitale Barrierefreiheit.

Die konsequente Anwendung der WCAG trägt dazu bei, digitale Produkte für alle Menschen zugänglich, benutzbar und verständlich zu machen – unabhängig von Fähigkeiten, Geräten oder persönlichen Voraussetzungen.